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"TERROR: Kapitel 3" von Cevdet 'Chevy' Ildiz

Kaptiel III: BILLS GEDANKEN


Als Hutch den Weg, der nach Darrey führt hinabschreitet, gibt der Peilsender in der Marlboro Schachtel ein kleines Piepsen von sich. Dieses Piepsen wird auf einem Computer im Arbeitszimmer von Bill Birkin erfasst. Er lebt schon lange abgeschieden von der Außenwelt in dem Manor, hoch oben auf dem Hügel. Die gewählte Lage hat natürlich seinen Grund. Das wurde ihm vom Besitzer und Erbauer, von dem er dieses Erbe damals antrat, erklärt. »Es soll die Mitarbeiter hier oben, vor dem Gas da unten schützen«, waren seine Worte. Wieso und weshalb es das Gas überhaupt gibt und was der Sinn hinter dem Ganzen ist, erfuhr Bill erst nach langen Jahren Forschung und Ausbildung. Er kratzt sich am Nacken, genau an der Stelle wo das Tattoo gestochen wurde. Wobei ̎stechen̎ das falsche Wort ist, denn das Tattoo wird regelrecht in die Haut ̎reingeschnitten̎, damit man es sein Leben lang behält. Danach wird es mit schwarzer Farbe nachgestochen, um es wie ein normales Tattoo aussehen zu lassen. Aber wenn man darüberstreicht, fühlt man deutlich die Furchen in der Haut. Eine schmerzhafte Angelegenheit, doch der Moment geht schnell vorüber und Schmerz wird durch Stolz ersetzt. Stolz, an einer so großen und wichtigen Mission teilzuhaben, die schon Jahrtausende bis zu ihren Wurzeln zurückreicht.


»Da bist du ja endlich Hutch, mein Lieber. Ich werde es genießen dich leiden zu sehen.« Während er das sagt, trinkt Bill eine Tasse Kaffee und steht vor dem Bildschirm mit dem Peilsignal. Auch wenn Hutch der Schlüssel zu Bills Erfolg ist, will er sehen, wie Hutch sich schlägt. »Damals ist meine Sandra für alle gestorben, doch ich werde das wieder in Ordnung bringen. Sie wird zurückkommen mit deiner Hilfe.« Die Wut in Bill wächst immer weiter. »Hätte ich meine Forschung nur schneller vorangetrieben, dann wäre es schon vorbei und Sandra stünde wieder an meiner Seite, gesund und munter!« Er kann sich nicht mehr zügeln und schmeißt die Tasse mit Kaffee in Richtung der Wand, an der ein Kamin prunkvoll den Raum erhellt und erwärmt. Während er zusieht, wie der Kaffee an den Säulen des Kamins herunterläuft, wischt er sich abwesend über die Wange. Rot. Es ist wieder Zeit für seine Pillen. Die Nebenwirkungen werden stärker. Er hofft, dass er den Tag noch erleben wird, an dem die Forschung der Organisation Früchte trägt. Er widmet seine Aufmerksamkeit wieder dem Bildschirm. »Ah du bist also noch auf der Zugangsstraße. Ich habe ein paar nette Überraschungen für dich vorbereitet«, sagt er und grinst. Dabei nimmt er eine Zigarre aus dem goldenen Zigarrenkästchen und begutachtet sie. Davidoff Zigarren, eine der teuersten Marken die es gibt.


Dieselbe Marke die Dr. Gelvey immer geraucht hat. Er riecht daran. Das würzige Aroma steigt ihm in die Nase und er lächelt. Denkt an die Zeiten, an denen er mit Dr. Gelvey zusammen am Kamin saß und über die neusten Forschungsergebnisse geredet und sinniert hat. Er nimmt sich die Packung Streichhölzer aus der Schublade im Schreibtisch und zündet eins an. Sein Mentor hat ihm beigebracht, wie man eine Zigarre richtig anzündet. Zunächst sollte man auf Benzinfeuerzeuge oder Kerzen verzichten, da die Zigarre sonst deren Geschmack annehmen kann. »Wer eine Zigarre mit einem Benzinfeuerzeug oder einer Kerze anzündet, hat sie nicht verdient!«, sagte Dr. Gelvey immer zu Bill. Und das Kopfende muss aufgebohrt oder abgeschnitten werden. Dazu hat Bill einen V-Cutter, ganz aus Gold, von Dr. Gelvey bekommen. Die Bauchbinde darf vor dem Rauchen nie entfernt werden. Das Streichholz wird entzündet und die Zigarre leicht schräg gehalten, damit sie nicht komplett in die Flamme eintritt. Erst wenn sich ein einheitlicher Glutstock am Fußende der Zigarre bildet, kann man vorsichtig an der Zigarre ziehen. Die Bauchbinde kann man während dem letzten Drittel der Zigarre entfernen, weil die Hitze die Klebstoffreste erweichen lässt und die Binde sich somit leicht löst. »Und ganz wichtig«, fuhr er immer fort, »niemals die Zigarre ausdrücken. Nur Anfänger machen diesen Fehler. Eine ausgedrückte Zigarre macht optisch nichts her und außerdem stinkt sie unangenehm!« Dieses Mantra aufsagend, als würde er es dem Punkt auf dem Bildschirm erklären, entzündet Bill seine Zigarre und genießt die ersten Züge. Er inhaliert den Rauch tief und ein zufriedenes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. »Ich bin gespannt, was du zu meinen Lieblingen sagst.« Er nimmt sein Handy aus der Tasche und wählt die Nummer von Henry. Ach Henry, denkt er sich, wenn ich dich nicht hätte.

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